200 Jahre Gustav WernerbruderhausDIAKONIE - Teil haben. Teil sein.

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Bilanzpressekonferenz

Neue Wohnprojekte für Ältere

Der Vorstand präsentierte in Reutlingen seinen Jahresbericht 2012. Die Bilanz: Die Stiftung arbeitet hochgradig vernetzt.

Der Vorstand: Günter Braun, Lothar Bauer, Rainer Single

Die BruderhausDiakonie ist aktiv unter anderem in zahlreichen Schulen, in der Kooperation mit Unternehmen, in der Arbeit mit Migranten- und Sportvereinen. Diese Vielfalt sei für den Vorstand zugleich Bereicherung und eine große Herausforderung, erklärte Lothar Bauer, Vorsitzender des Vorstandes der BruderhausDiakonie im Pressegespräch am Dienstag, 23.Juli.

 

Ortsnah zuhause sein 

Zahlreiche Bauprojekte haben Vorstand und Stiftungsrat 2012 realisiert. Dabei habe die Stiftung immer die ganze Gemeinde oder ein entsprechendes Viertel im Blick, betonte der Vorstandsvorsitzende. Eines der jüngsten Wohnprojekte und ganz innovativ ist „Sorglos wohnen“ in Dettingen/Erms. Dahinter steckt eine 30-köpfige Bauherrengemeinschaft verschiedener Generationen, die Wohnen, Pflege und Gemeinschaft in einem Gebäude im Ort verbindet.

Der Städtebaukongress Baden-Württemberg hatte das Konzept schon vor Baubeginn mit einem Preis ausgezeichnet. Die BruderhausDiakonie gab den Impuls – Wohnen und Hilfe in geteilter Verantwortung: „Wir reagieren auf den demografischen Wandel und auf die Bedürfnisse der Menschen in den Gemeinden“, sagte Günter Braun, Fachlicher Vorstand der Stiftung. So ist die BruderhausDiakonie beim Thema seniorengerechtes Wohnen in der Gemeinde mittlerweile in ganz Baden-Württemberg ein gefragter Partner von Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften. Aktuell plant sie quartiersbezogene Wohnprojekte in der Region Bodensee/Oberschwaben.

Selbstständig und sicher wohnen

Auch beim Thema „Im Alter mit technischer Unterstützung länger selbstständig leben“ ist die BruderhausDiakonie federführend. Mit dem Projektpartner Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung sowie weiteren Beteiligten koordiniert sie die Entwicklung zweier technischer Unterstützungssysteme. Sie entsprechen dem Wunsch von Senioren, möglichst lange unabhängig zu sein.

Dabei wurde das jüngste Projekt „Patronus“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als eines von zehn Projekten bei der Ausschreibung zum Thema „Assistierte Pflege von morgen“ ausgewählt. Patronus erfüllt Wünsche auf mündlichen oder auch non-verbalen Befehl, zum Beispiel „Jalousien schließen“.

Das technische System ist für die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Bewohners programmiert. Ein anderes System mit dem Namen safe(at)home ist eine automatische Sturzerkennung samt Hilferuf. Senioren erproben es bereits in verschiedenen Wohnungen der BruderhausDiakonie, so unter anderem im Gustav-Werner-Stift Reutlingen.

Pflegebedürftige leben eigenständig, eingebunden in eine Gemeinschaft

Weil auch Pflegebedürftige Wert auf Eigenständigkeit legen, zugleich eine vertraute Umgebung wünschen, hat die BruderhausDiakonie in allen Neubauten das Konzept der Hausgemeinschaften eingeführt.

Dabei leben maximal zwölf Pflegebedürftige in einer Wohngruppe zusammen: Alle Personen haben ein Einzelzimmer, Wohn- und Essbereich samt Küche sind gemeinsame Räume. Alltagsbegleiter unterstützen das eigenständige Wohnen – als zusätzliche Kräfte zum Pflegepersonal. Bewohnerinnen und Bewohner können den Alltagsbegleitern beim Kochen sowie bei Haus- oder Gartenarbeiten zuschauen oder auch helfen.

Mehr Zeit für die Pflege

Zukünftig soll Pflegebedürftigkeit individueller eingestuft werden. Diese differenziertere Einstufung soll für mehr Gerechtigkeit sorgen. Fünf Pflegestufen statt bisher drei sollen den Grad der Selbstständigkeit einer Person erfassen.

Pflege soll nicht mehr nach Zeit erfasst werden, so die Vorschläge des Expertenbeirats des Bundesgesundheitsministeriums zur Ausgestaltung eines neuen Pflegebegriffs. Seit Ende Juni 2013 liegen sie vor. „Werden die Inhalte – wie vom Expertenbeirat vorgeschlagen – in den kommenden eineinhalb Jahren umgesetzt, profitieren davon alle Pflege-bedürftigen und Pflegekräfte“, erläuterte Günter Braun, Fachlicher Vorstand der BruderhausDiakonie. „Die Realisierung des Konzeptes wäre ein Zeichen dafür, dass unserer Gesellschaft Pflege etwas wert ist.“

Mit der Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs steigen voraussichtlich die Beiträge für die Pflegeversicherung. Die Realisierung kostet geschätzt bis zu vier Milliarden Euro.

In der Jugendhilfe die Qualität der Betreuung gewährleisten

„Wir arbeiten mit anderen zusammen und stärken Netzwerke vor Ort – das ist einer unserer Leitsätze, die wir in der Praxis umsetzen – seit Jahrzehnten erfolgreich in der Jugendhilfe im Landkreis Reutlingen“, so der Vorstandsvorsitzende der Bruderhaus-Diakonie, Lothar Bauer. Nun hat der Landkreis angekündigt, einen Teil der Jugendhilfeleistungen in Form einer GmbH mit neuen – auch geringer qualifizierten – Mitarbeitern zu erbringen.

Im Landkreis Reutlingen konnte seit 2002 die Vermeidung von stationären Unterbringungen von Kindern und Jugendlichen erfolgreich umgesetzt werden. Waren 190 Kinder und Jugendliche zum Stichtag 31.12.2002 in der Heimerziehung untergebracht, so waren dies am 31.12. 2011 nur noch 104 Kinder und Jugendliche (minus 86). Im gleichen Zeitraum stiegen die Fallzahlen in der ambulanten Betreuung lediglich von 80 auf 127 junge Menschen an (plus 47).

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diesen Erfolg möglich gemacht haben, sind älter und damit auch teurer als die jungen Mitarbeiter, die in der neuen GmbH eingestellt werden sollen. Im entsprechenden Bereich der BruderhausDiakonie sind von 31 Mitarbeitern knapp die Hälfte 55 Jahre und älter. „Das Billigere sei nicht immer das Günstigere“, sagte Bauer. Viele Jugendhilfefragen erforderten Erfahrung und Kompetenz.

Bauer weiter: „Wenn die Qualität der Betreuung nicht angemessen ist, brechen junge Menschen Hilfeleistungen ab; wertvolle Zeit für ihre Entwicklung verstreicht; Entwicklungsstörungen werden nicht bearbeitet, womöglich ist am Ende eine Heimunterbringung nötig, die teurer ist als ambulante Hilfeleistungen.“ Der Vorstand wünscht, dass der Landkreis sein Vorhaben überdenkt und ist bereit, konstruktiv an einer Lösung von Fragen mitzuarbeiten.

Die BruderhausDiakonie wirtschaftet umweltfreundlich

Im gesamten Unternehmen hat sich die Stiftung umweltschonendes und nachhaltiges Wirtschaften zum Ziel gesetzt.

Bereits 2012 haben sieben Dienststellen ihre Umweltbilanz nachhaltig verbessert und sich nach dem europäischen Umweltstandard EMAS (Eco Management and Audit Scheme) und den Vorgaben des „Grünen Gockels“ der Evangelischen Kirche zertifiziert. „Mitte 2014 sollen dann alle Dienststellen in Baden-Württemberg zertifiziert sein“, so Rainer Single, Kaufmännischer Vorstand. Ziel ist unter anderem, den Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser zu vermindern, zudem können Einrichtungen eigene Umweltziele festlegen.

Allgemeine wirtschaftliche Entwicklung

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind für die BruderhausDiakonie immer schwieriger. Kostensteigerungen, die unter anderem der Tarifvertrag bei den Entgelten vorsieht, können nicht mehr ohne weiteres ausgeglichen werden. „Die Vergütung der Leistungen durch die Kassen hält mit der Tarifentwicklung längst nicht mehr Schritt“, warnte Rainer Single, Kaufmännischer Vorstand der Stiftung.

Wichtige Bauprojekte 2012

Behindertenhilfe:

  • Sanierung Oberlinstraße 14, Bestandsgebäude der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM), Inbetriebnahme März 2012
  • Wohnen im Neuffener Tal, zwölf Plätze, Inbetriebnahme Juli 2012
  • WfbM Freudenstadt, 36 Plätze, Inbetriebnahme Dezember 2012

Jugendhilfe:

  • Neubau Kindertagesstätte am Kurpark in Bad Cannstatt, drei Gruppen mit jeweils zehn Plätzen, Inbetriebnahme März 2012
  • Begonnene Baumaßnahmen in 2012

Sozialpsychiatrie:

  • Unterstützungszentrum Hechingen,zehn Plätze mit Tagesstruktur
  • Umbau Gebäude Altensteiger Straße 1 in Göttelfingen, zehn Plätze mit Tagesstruktur
  • Wohnen und Teilhabe in Laichingen, zehn Einzelappartements, zehn Plätze Gemeinschaftswohnen

Behindertenhilfe:

  • Ersatzneubau Oberlinstraße 17, 24 Plätze

Altenhilfe:

  • Neubau Altenpflegeheim Münsingen, 50 Pflegeplätze, zehn Seniorenwohnungen und eine Praxis

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